Während Wikileaks Detailismus den Irak-Krieg verdammt und eine Studie die Mitwirkung des auswärtigen Amtes an der “Endlösung” unterstreicht, regt sich selbst die gutbürgerliche FAZ darüber auf, dass Saddam Husseins Außenminister und Alibi-Christ von einem irakischen Gericht zum Tode verurteilt worden ist.

 

Ich bin kein Freund der Todesstrafe. Im Gegenteil. Aber in diesem Fall hält sich mein Mitleid in sehr engen Grenzen. Denn das Regime, dem Aziz dankbar diente, hat seinen Bürgern übler mitgespielt als das Gericht, das in einem ordentlichen Prozess sein Urteil fand.

Die drei Nachrichten, die nur scheinbar nichts miteinander zu tun haben und ihr Umgang in der deutschen Öffentlichkeit sind bezeichnend für das Meinungsklima.

Wikileaks hat nichts anderes veröffentlicht als die sorgsam dokumentierten Vorkomnisse in einem Krieg. Der ist immer grausam und ungerecht. Nur manchmal eben auch unumgänglich. Damit sollen einzelne Fehler und auch Verbrechen nicht relativiert werden. Aber der Blick auf 400.000 Dokumente ist weder repräsentativ noch erlaubt er den Blick auf die Art und Weise, wie dieser Krieg überhaupt geführt wurde.

Der Umgang des Auswärtigen Amt mit seiner Vergangenheit ist ein Indiz für die seit der Gründung der Republik virulente Selbsttäuschung einer ganzen Generation, die mit ihrer Mitschuld an Krieg und Verbrechen nicht zurecht kam.

Der Reflex der Nachfolger, den Joschka Fischer erfolgreich beschreibt, führte in die Überreaktion und untermenierte deren moralische Autorität. Der Terrorismus der Siebziger und Achtziger Jahre war kein Indiz sondern die logische Folge aus einem ungerechtfertigten Rigorismus.

Beiden Generationen ist übrigens ihr gespaltenes Verhältnis zu den Befreiern eigen, das an Schizophrenie grenzt. Dabei war in Deutschland wie im Irak für die Mehrheit der Menschen die Befreiung durch die USA ein Segen, ohne die hierzulande mehr als 60 Jahre Frieden in Freiheit undenkbar wären.

About these ads