Unlängst machte sich die neue NRW-Schulministerin für ein Bundesschulgesetz stark. Der Blick nach Frankreich zeigt: Gemeinschaftsschule und zentrale Bildungspolitik lösen kein Problem. Das lässt sich selbst aus einem etwas tendenziösen Bericht des Deutschlandfunks schliessen, der die aktuelle Situation beleuchtete.

der gemeine Franzose kommt bereits mit 3 Jahren unter die Obhut des Staates und bleibt drei Jahre in Vorschule/Kindergarten, bevor er auf eine fünfjährige Grundschule wechselt. Danach kommen alle Schüler bis zur neunten Klasse auf dem Collége. Ab der 10. kann der erfolgreiche Schüler zwischen allgemeinbildendem, technischen oder Fach-Abitur wählen, dass er nach weiteren zwei Jahren erreicht.

In sozio-demographischen Terms sind die Franzosen uns sicherlich eher vergleichbar als die kommoden Finnen. Es gibt Migranten, großstädtische Milieus und Massenarbeitslosigkeit. Dass das französische Bildungssystem in irgend einem Punkt besser abschneidet, lässt sich allerdings nicht behaupten.

Wer es sich leisten kann, schickt seine Kinder lieber auf eine Privatschule. Der “private Sektor”, der rund 20% der des Bildungsmarktes ausmacht, ist fest in katholischer Hand. Das schmeckt dem französischen Republikaner gar nicht, der die laizistische öffentliche Schule als Wert an sich begreift, trotz ihres Versagens.

In Deutschland ist das Thema Schul- und Bildungsreform ein Dauerbrenner. Obwohl es seit Jahrzehnten Gesamtschulen gibt, wird die Einheitsschule als seligmachender Alleskönner propagiert. Auch die von mir immer als notwendig erkannte frühkindliche Bildung scheint auch in Frankreich nicht zu dem Ergebnis zu führen, das gewünscht ist. Obwohl auch der zu hohe Mindestlohn  ein wesentlicher Grund für die extrem hohe Jugendarbeitslosigkeit sein dürfte.

In keinem Fall ist die allesumfassende Einheitsstaatsganztagsschule ab dem zweiten Lebensjahr der propagierte Königsweg. Die Zentralisierung multipliziert die Fehler und Irrtümmer mit der Anzahl ihrer Anwendungen.

Erziehung ist Elternsache und wir sollten uns von der boulevardisierten scripted reality nicht täuschen lassen. Fast immer wissen Eltern am besten, was gut für ihre Kinder ist. Bildung mag Staatssache sein. Aber nur insoweit, als dass er Chancen- und Zugangsgerechtigkeit sicher zu stellen hat.

Der Schlüssel zum Erfolg in der Bildungspolitik ist Wettbewerb statt Zwang, Vielfalt statt Einfalt. Das Recht auf Bildung und nicht die Schulpflicht. Denn Wettbewerb ist das beste Verfahren zur Entdeckung neuen Wissens (F.A. v. Hayek). Dass wir von ihm ausgerechnet in der Industrie, in der es um Wissen geht, nichts wissen wollen, ist mehr als nur ein Paradox.

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