Bereits vor einiger Zeit meldeten israelische Zeitungen, dass die Mauer zwischen Gilo und Bethlehem abgebaut wird. Sie war während der zweiten Intifada gebaut worden war um die Bewohner vor  Terrorangriffen aus dem benachbarten Bei Jala zu schützen. Und weil Ulrike Putz vor lauter Schreck über die Folgen des amerikanischen Abzugs aus dem Irak schon länger keine Story über den israelischen Besatzerstaat geschrieben hat, muss jetzt dieses Thema für einen qualitätsjournalistisch wertvollen Quickie herhalten.

Wir erfahren nur häppchenweise, warum die Mauer überhaupt gebaut wurde. Zuerst verweist Putz verschämt auf “Schusswechsel” zu denen es “an dieser Stelle kam”, räumt dann aber einen Satz später umstandslos ein, dass palästinensische Scharfschützen die Bewohner von Gilo ins Visier genommen hatten. Ein paar Zeilen weiter wird uns sogar mitgeteilt, dss Nahost-Quartet habe in seiner Einladung zu Friedensgesprächen den Siedlungbaustopp nur vage erwähnt, um „dem israelischen Premier Benjamin Netanjahu Ärger mit seinen rechten Koalitionspartnern zu ersparen“. Netanjahu, so erfährt manch ein SPON-Leser hier vermutlich zum ersten Mal, ist demnach gar nicht so rechts, sondern eher ein Politiker der Mitte und auch kein Siedlungsbau-Triebtäter. Auch auf das Präfix “ultra”, einem der wichtigsten Instrumente im Werkzeugkoffer des israelkritischen Nahostkorrespondeten, wurde verzichtet.

Einige Zeilen später kommt dann allerdings wieder diese ganz spezielle Chuzpe deutscher Nahost-Korrespondenten zum tragen, wenn uns  Frau Putz über die vermeintlichen Ursachen für “die gute Sicherheitslage”, die den Abbau der Mauer ermöglicht, aufklärt:

Dank enger Kooperation israelischer und palästinensischer Sicherheitskräfte liegt das letzte Selbstmordattentat in Israel mehr als anderthalb Jahre zurück.

Als ob Putz nicht wüsste, dass die spärlichen Erfolge palästinensischer Selbstmordattentäter in erster Linie auf den Sicherheitszaun und die Aktivitäten der IDF im Westjordanland zurückzuführen sind. Aber davon will der SPON-Leser natürlich nichts hören, daher fährt Putz mit ihrem Loblied auf  die vermeintlichen Erfolge der palästinensischen Terrorbekämpfer fort:

Die Ruhe verdankt Israel zu einem großen Teil fünf Bataillonen der palästinensischen Polizei, die von US-General Keith Dayton in einem jordanischen Ausbildungslager trainiert wurden. Seit gut drei Jahren gehen sie mit harter Hand gegen Kriminelle und Regimegegner vor, zum Unmut der radikalislamischen Hamas, die zum Hauptziel dieser “Dayton-Armee” geworden ist.

Na gut, dass mit der “harten Hand” ist so eine Sache, wenn es sich dabei um Folter und Mord handelt, das muss auch Putz einräumen. Die Tatsache, dass keineswegs nur Hamasniks von der eisernen Faust der Fatah bedroht sind, sondern jeder, der dieser korrupten Bande nicht in den Kram passt, geht leider unter.

Immerhin wird in einem Nebensatz der wirtschaftliche Aufschwung im Westjordanland erwähnt (FdoG Leser wissen hier schon sehr viel länger mehr), aber das nur als Auftakt zu der im Tonfall der verwunderten Ratlosigkeit vorgetragenen Feststellung, dass die die Israelis laut neuesten Umfrage der Ruhe nicht trauen. Als ob das nach den Erfahrungen mit dem absoluten Friedensunwillen der palästinensischen Führung, die man während der zweiten Intifada und nach dem Rückzug aus Gaza machen musste,  überraschend wäre.

Man muss diesen Artikel wirklich nicht über den grünen Klee loben. So geistert ein ultraorthodoxer Arbeitsloser durch den Beitrag, der wahlweise herum motzt oder zynische Scherze macht. Von diesem wichtigen Zeitzeugen ist sogar ein Potrait-Foto in der Bilderstrecke zu finden, so viel Klischee muss sein, sonst murrt der Stammleser. Trotzdem: Das letzte Foto in der Strecke zeigt ein Panoramabild von Bethlehem und stellt fest, dass dieser Anblick den Bewohnern Gilos „aufgrund der Mauer verwehrt“ war.

Das klingt fast so, als wäre es für Israelis eine Zumutung, nur hinter Mauern und Plexiglasfenstern ihres Lebens sicher sein zu können, als ob nicht nur Palästinenser unter dem permanenten Unfrieden leiden. Fast hat man das Gefühl, als wären auch im israelkritischen Betonkopf von Ulrike Putz ein paar Umgestaltungsmaßnahmen vorgenommen worden.

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