Ulrike Hermann erkennt in der taz die Schattenseite von Hartz-IV sehr genau: Durch die Auflage von staatlichen Wohlfahrtsprogrammen gewinnen Behörden beträchtliche Macht über den Bedürftigen und tiefe Einblicke in sein Privatleben. Ein unvermeidlicher Nebeneffekt bei der effizienten Organisation der Mittellosigkeit – je besser das Sozialsystem für das Endziel “soziale Gerechtigkeit” ausgestattet wird, desto schlechter wird es um die Freiheit des Versorgten stehen.

Die stramme Linke Hermann findet das ungerecht und will diese Überwachung nun auch auf “die Reichen” ausweiten. Denn tatsächlich werden die Vermögen von Personen, die nicht vom sozialen Netz profitieren, nicht auf Heller und Pfennig von irgendeiner Behörde erfasst. Ein Zustand, den Hermann für gefährlich und skandalös hält. Die Konsequenz aus ihren Beobachtungen ist einfach und bei rechten und linken Sozialisten gleichermaßen beliebt: die Stasi oder eben eine Art Stasi. Ein ordentlicher Geheimdienst, der jeden erfasst, mustert und ausforscht. Anschließend dürfen dann die Politiker zuschlagen und dafür sorgen, dass (fast) jeder die gleiche Menge Geld besitzt. Erst wenn Hermann und ihre Spießgesellen bemerken, dass der feine Rotwein knapp wird, werden sie merken, dass diese Idee auch dieses Mal nicht funktioniert – aber dann ist es bereits zu spät.

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