Was ist bloß mit Ulrike Putz los? Die SPON-Nahostkorrespondentin scheint geradezu von Horrorvisionen geplagt zu sein, wenn es um den Abzug der US-Kampftruppen aus dem Irak geht:

“Die Tore zur Hölle stehen weit offen” prophezeit sie schon in der Überschrift und dräut im Anschluss:

Die letzten US-Kampftruppen ziehen noch schneller aus dem Irak ab als geplant – und hinterlassen ein zerrüttetes Land: jeden Tag Anschläge, eine machtgierige politische Elite, aber keine Regierung. Beobachter rechnen mit dem Ausbruch eines neuen Bürgerkriegs.

Erstaunlich, wo doch gerade SPON vom ersten Tag der Invasion an gegen die amerikanischen Truppen in Irak angeschrieben hatte. Wäre jetzt, wo die ölsaufenden US-Imperialisten endlich abziehen, nicht der Zeitpunkt zum Feiern gekommen? Weit gefehlt:

Im Irak selbst ist man sich längst nicht mehr sicher, ob man die wiedergewonnene Souveränität wirklich bejubeln soll. Es geht vielmehr die Angst um – darüber, was kommen wird, wenn die Besatzer komplett abgezogen sind.

Man höre und staune. Die Iraker haben also mehr Angst vor ihren eigenen Radikalen als vor den amerikanischen Besatzern? So etwas gab es auf SPON bisher eher selten zu lesen. Angesichts der unzähligen Massaker, die irakische „Aufständische“ und „Widerstandskämpfer“ seit dem Beginn des Krieges unter wehrlosen Zivilisten angerichtet haben, hätte man vielleicht auch einen Tick eher zu dieser Erkenntnis kommen können.

Natürlich lässt es sich Putz trotz ihrer neuen Sorge um einen Irak ohne US-Besatzer nicht nehmen, den Amerikanern zum x-ten Mal ins Stammbuch zu schreiben, dass sie „gescheitert“ sind. Einer ist dafür aber nicht verantwortlich: Der Friedensnobelpreisträger und Anti-Bush Obama. So muss man es wohl verstehen, wenn im gesamten Artikel „Washington“, „die Amerikaner“ und die „US-Armee“ als Akteure genannt werden, aber der Name des aktuellen Präsidenten kein einziges Mal fällt. Alle gescheitert außer Obama. Allzu weit scheinen sich die Tore der Erkenntnis bei SPON dann doch nicht geöffnet zu haben.

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