Nach dem Drama um die Loveparade treten die Administratoren auf den Plan. Neue Genehmigungsbehörden, die Konzentration auf die Landesinnenministerien sollen in Zukunft Tragödien wie auf der Duisburger Rampe verhindern. Dabei zeigt ein Massenereignis alljährlich, dass es auch ohne Sicherheitskonzept, Absperrgitter und Panikforscher geht: Der Karneval. Denn ohne Absperrungen, gelenkte Zuschauerströme und Vereinzelungsanlagen hätte es keinen einzigen Toten gegeben. Wie auch bei den Berliner Love-Parades.

Jeden Rosenmontag sind Millionen auf den Strassen Kölns, Mainz und Düsseldorfs unterwegs, ohne dass die Stadt weiträumig abgesperrt worden wäre, Fluchtwege oder Zäune aufgestellt werden. Auch dort sind Sanitäter und Notärzte im Dauereinsatz, beschäftigen sich aber eben nur mit Bierleichen und leichten Verletzungen. Dabei ziehen die “Narren” durch enge Innenstädte und Gassen, die garantiert nicht die Breite eines feuerpolizeilich genehmen Fluchtweges aufweisen. Auch das Münchner Oktoberfest ist eine vergleichbare Veranstaltung, bei denen Massen völlig unkontrolliert und frei von Korridoren und regulierender Polizei auf´s Gelände gelangen. Wird ein Zelt zu voll, wird es zu gemacht.

Fest steht, dass das Gelände zum Zeitpunkt des Unglücks nicht überfüllt war. Lediglich der Zugang über eine einzige Rampe und zwei Tunnels war zu eng. Hätten die Raver von allen Seiten auf das Gelände strömen können, hätten sie sich gleichmässiger über das Gelände verteilen können. Zwar hätte der ein oder andere eine Glasflasche auf das Gelände gebracht haben, aber dann hätte es vielleicht ein paar Schnittverletzungen gegeben. Keine Toten.

Die meisten Sicherheitsabsperrungen und Verbote dienen ohnehin nicht der Sicherheit sondern dem Kommerz. In der Berliner Waldbühne dürfen etwa pro Person nur maximal 0,5 Liter in der Plastikflasche mitgebracht werden, damit die Getränkestände mehr verkaufen.

Es mag sein, dass in Duisburg die Vorgärten mehr gelitten hätten und die ein oder andere Grünfläche in Mitleidenschaft gezogen worden wäre. Das aber wäre wohl wessentlich besser gewesen, als dieses Ergebnis.

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