In Hamburg entscheiden die Bürger heute darüber, ob ihre Kinder in Zukunft vier oder sechs Jahre in die Grundschule gehen. Das ist gut. Für die Qualität der Bildung ist es aber weniger wichtig. Einen empirischen Nachweis dafür, dass die eine Lösung besser ist als die andere gibt es nicht, wenn man die Bundesländer vergleicht oder den PISA-Schock in Erinnerung ruft. Selbst die “Durchlässigkeit” ist in Baden-Württemberg viel besser wie in Bayern, obwohl beide Länder identische Schulstrukturen haben.
Dabei ist die Vergleichbarkeit der Schulabschlüsse nicht gegeben. Das duale Bildungssystem in Deutschland ist mit den Systemen im Rest der Welt nicht vergleichbar. Während hier viele nach der 10. Klasse eine fundierte Berufsausbildung im Betrieb erhalten, müssen die andernorts vergleichbare Berufe verschult im “College” lernen.
Die schlechte Qualität des Schulsystems ist eine Folge der ideologisierten Schulpolitik, die Schülern und Eltern die Entscheidungsfreiheit nimmt. Seit Einführung der Mengenlehre wird am System ständig und mit großem Aufwand herumgedoktert, ohne dass die Qualität der Schulen im internationalen Vergleich sich verbessert hätte. Seit die 68iger die Schulen enterten, tragen sie all die Glaubenssätze wie eine Monstranz vor sich her, bei denen Deutschland 30, 40 Jahre später im internationalen Vergleich scheitert.
Die “Gemeinschaftsschule” etwa ist ziemlich alter, vergorener Wein in neuen Schläuchen. Sie hieß früher Gesamtschule. In den Siebziger Jahren sollte sie in NRW schon mal als “kooperative Schule” eingeführt werden. Obwohl auch die Gesamtschule offensichtlich nicht den Durchbruch gebracht hat, wird sie nun als “Gemeinschafts-”, “Stadtteil-” oder “Einheitsschule” propagiert.
Der Erfolg hängt aber nicht an der Schulform sondern an der Qualität des Unterrichts. Und der ist das Grundübel. Nicht die Schulen, die Lehrer sind das Problem. Die sind unkündbar, das macht sie unangreifbar. Wenn eine Klasse das Pech hat, zwei Jahre lang einen schlechten Mathematik-Lehrer zu haben, wird das für die Eltern teuer. Für den überwiegenden Anteil der Schüler wird dann Nachhilfe fällig.
Der Schulleiter kann sich auch die neuen Lehrer nicht aussuchen, sondern muß nehmen was er kriegt. Es gibt nämlich zu wenig Lehrer, insbesondere für die Fächer wo Fachidioten mit geringen Didaktik-Fähigkeiten vorherrschen: Bei Mathematik und den Naturwissenschaften.
Trotzdem entscheidet die Qualität der Leitung wesentlich über die der Schule. Anders gesagt: Wie weit setzt sich ein Schulleiter gegen seine Disziplinarvorgesetzten in der Verwaltung durch, die ihm eine Abmahnung in die Personalakte legen, wenn er zu renitent wird. Mittel zur Durchsetzung seiner Interessen hat er keine. Da aber stets zu wenig Geld für die banalen Dinge da ist, befindet sich die Leitung stets in einem Balance-Akt.
Von größtem Übel ist die ideologisierte Verwaltung. Sie arbeitet so schnell, dass die Erlasse für die großen Reformen meist Wochen nach dem ersten Stichtag in den Schulen eintreffen. Ein großer Vorteil des bayerischen und baden-württembergischen Systems besteht wahrscheinlich darin, dass dort nicht ständig und schlecht herumgedoktert wurde sondern einfach alles blieb wie es ist.
Entscheidend für die schlechte Qualität ist aber der Mangel an Wettbewerb. Schüler können sich kaum Schulen und Lehrer, Lehrer kaum Schulen und Schulen weder Lehrer noch Schüler aussuchen. Wer besser ist als andere, hat nichts davon. Wer schludert, wird nicht bestraft. Das Wissen, die Erfahrung und der Wille von Eltern, Schülern und Lehrern wird in einem Zentralisierungsprozeß eliminiert.
Da ist es schon komisch, dass ausgerechnet Rot-Grün diesen Wettbewerb scheinbar befördern will. In NRW kann in jeder Kommune die Schule betrieben werden, die die meisten sich wünschen. Als Gemeinschaftsschule oder Gymnasium, mit 12 oder 13 Jahren Abitur. Insgesamt 6 verschiedene Schulformen sind dort möglich. Natürlich ist absehbar, dass die Schulverwaltung diese Vielfalt konterkariert, in dem bestimmte, ideologisch genehme Schulformen bevorzugt werden. Nur so lassen sich wahrscheinlich die angestrebten 30% Gemeinschaftsschulen verwirklichn.
By the way: Über Didaktik und Inhalte haben wir noch gar nicht gesprochen.






1 comment
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18. July 2010 at 20:00
Hayek
Stimme Dir im Großen und Ganzen zu. Der Erfolg hängt aber meiner Meinung nach sehr wohl stark von der Schulform ab. Erst müssen die Kinder in die richtige Schule gehen und dann muss natürlich auch der Unterricht stimmen. Der Unterricht kann aber gar nicht gut sein, wenn die Kinder zu verschieden sind. Jedes Kind muss nach seinen Bedürfnissen gefördert werden. Das geht am besten in einer leistungsmäßig homogenen Gruppe. Mein Sohn ist jetzt in am Ende der dritten Klasse und die Leistungsunterschiede sind schon jetzt erheblich. Die Lehrerin muss etlichen Kindern immer noch Lesen und Schreiben beibringen, gleichzeitig muss sie aber auch im Stoff weitermachen. Am Ende kann sie beide Aufgaben nicht erfüllen und keines der Kinder wird optimal gefördert. Es ist also eben nicht egal, ob in Klasse vier oder erst in Klasse sechs selektiert wird. Zwei verschenkte Jahre sind ein Wahnsinn. Gerade in diesem Alter. Die Linken sollten endlich ihre ideologische Gleichmacherei über Bord werfen und das Wohl der Kinder im Auge haben. Aber das haben sie trotz anders lautender Beteuerungen eben nicht. Bei denen muss sich die Realität ihren Phantastereien anpassen. Wie der Mensch wirklich tickt, interessiert sie gar nicht. Dass sich die CDU für so einen Schwachsinn hergibt, hätte ich nie gedacht. Aber unter Merkel und Beust ist denen mittlerweile alles zuzutrauen. Den Grünen sowieso. Groß von “Chancengleichheit” und “Integration” schwadronieren, die eigenen Kinder aber dann auf Privat- und Waldorfschulen mit minimalem Migrantenanteil schicken. Das ist maximale Heuchelei. Je dümmer die Einwohner, desto linker wählen sie. Man muss sich nur den Vergleich der Bundesländer anschauen. Die Linken halten ihre Wähler systematisch arm und dumm. Niemand entzieht sich selber die Geschäftsgrundlage. Ein Teufelskreis.