George Soros reist auf eigene Kosten und empfängt die freundlichen Welt-Journalisten in seiner Suite im Berliner Adlon. Paul Krugman springt ihm im Handelsblatt bei. Das deutsche Sparpaket habe fatale Auswirkungen. Eine Deflation droht. Bis zu sozialen Unruhen ist es nicht mehr weit. Die Eurozone werde auseinanderbrechen und und und. Der US-Finanzminister Geithner stösst beim Besuch bei seinem Berliner Kollegen in´s gleiche Horn. Was für ein Zufall. Dabei bleiben die Szenarien schrill aber die Begründungen vage.

Das Hauptargument der Keynesianisten: Bei einer Einschränkung staatlicher Nachfrage würden Anbieter genötigt, ihre Preise zu senken. Aufgrund der Preissenkungen käme es dann zu verschärfter Kaufzurückhaltung, weil die Nachfrager weitere Preissenkungen erwarten würden.  Dadurch käme dann der Markt zum vollständigen Erliegen. Durch schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme könnte die Nachfrage gestärkt und so ein Sinken der Preise verhindert werden.

Dabei wird aber übersehen, dass deflationäre Tendenzen nicht Ursache sondern Folge einer wirtschaftlichen Fehlentwicklung sind. In der Dotcom-Krise 2001 sanken die Preise zahlreicher Börsenwerte, weil sie vorher zu stark gestiegen und “überbewertet” waren. Die Immobilienblasen in den USA, in Irland und in Spanien platzten ebenfalls nicht, weil die Preise angemessen waren. Stets ging dem Platzen die Blasenbildung voraus, d. h. auf dem jeweiligen Markt stiegen die Preise schnell und exponentiell.

Betrachtet man die Angelegenheit historisch, so hat es wohl nur eine lang anhaltende Phase sinkender Preise gegeben: Das letzte Viertel des 19. Jahrhunderts. Aber selbst damals war die “Deflation” nicht Ursache sondern Symptom. Das Angebot wuchs während der industriellen Revolution schneller als die Nachfrage und aufgrund der Golddeckung der Währung konnte die Zentralbank dieses Ungleichgewicht nicht kaschieren. Weil in den aufstrebenden USA übrigens die Nachfrage größer war, führte die Deflation dort sogar zu einer Verstärkung des Wirtschaftswachstums. Die sinkenden Preise führten zu einer erhöhten Gütereinfuhr.

Wenn man Teilmärkte beobachtet, stellt man darüber hinaus fest, dass selbst die Erwartung sinkender Preise nicht zu Kaufzurückhaltung führt. Das läßt sich etwa beim Markt für Computer feststellen. Als ich 1993 mein erstes Notebook, das diesen Namen verdiente, kaufte, kostete es rund 10.000 DM (also 5.000 €). Letztes Jahr kaufte ich ein Netbook mit vergleichbarer Leistung, 1 gBYTE statt 256 kbyte Arbeitsspeicher und 120 Gbyte statt 20 Gbyte Festplatte für 350 €. Weniger geworden war auch das Gewicht. Statt viereinhalb wog es kein ganzes Kilo mehr. Dafür war der Bildschirm größer.

Beim Heizölkauf spekuliere ich natürlich. Wenn die Preise hoch sind, kaufe ich so wenig wie möglich – sind sie niedrig, soviel wie meine Liquidität zulässt. Obwohl vermutlich alle Heizölkunden sich so verhalten wollen, ist ihr Einfluß auf die Preisentwicklung des Marktes gering. Und das hat einen einfachen Grund: Wenn der Tank leer ist, muß gekauft werden, sonst wird das Wasser nicht mehr warm.

Eine Deflation hätte also wahrscheinlich kaum die befürchteten Folgen des Zusammenbruchs der Wirtschaft. Eine Inflation schon. Und die unterscheidet von der Deflation zweierlei: Erstens tritt sie immer wieder auf, etwa 2001 in Argentinien. Und zweitens setzt ihre negative Wirkung keine bewußten Entscheidungen voraus. Die Bürger müssen mit ihr leben und damit rechnen, dass das Geld am Ende des Monats nur noch einen Bruchteil wert ist und deshalb am Anfang möglichst alles in dingliche Sachen umwandeln, die im Wert automatisch steigen.

Eine Inflation ist aber auch deshalb wahrscheinlich, weil immer mehr Geld bereit gestellt wird, obwohl die Wirtschaft schrumpft oder aber zumindestens langsamer wächst. Auf jede Geldeinheit entfällt deshalb ein immer kleinerer Anteil der realen Wirtschaft. Damit ist die Grundbedingung der Inflation erfüllt: Jede Einheit des Geldes wird weniger wert – automatisch.

Das fatale an der schuldenfinanzierten Konjunkturpolitik ist, dass sie erstens Konsum nicht erzeugt sondern bestenfalls vorzieht. Das kann man an der Abwrackprämie gut beobachten. Im Jahr 1 danach sind die Verkäufe von Neuwagen weit unter das Niveau des Jahres davor gefallen. Hängen bleiben Schulden und Zinsen beim Staat. Schon während der Ölkrise haben sich keynsianistische Ausgabenprogramme als wenig hilfreich erwiesen.

Dass ausgerechnet der Philantrop und Popper-Freund Soros durch Europa tingelt und das deutsche Sparpaket geißelt, entbehrt nicht eienr gewissen Logik: Wenn die Geldmenge weniger wird, trifft das nicht die Kreditfinanzierung der produzierenden Unternehmen. Sondern das Geschäft des Hedge-Fonds-Inhabers Soros, der weniger Masse zum spekulieren hat. Schade eigentlich.

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