Kaum ist das peinliche Gepöbel verklungen, das Thomas Goppel, der Zentralrat der Muslime und andere rückwärtsgewandte Hinterwäldler angesichts Özkans verfassungsrechtliche einwandfreien Bekenntnis zum säkularen Staat losgelassen hatten, schon geht es munter weiter mit heftigen Anfällen akuter Muselmanie anlässlich der Amtseinführung der ersten muslimischen Landesministerin in der Geschichte der BRD:

Die christlichen Kirchen zeigten sich zuerst pikiert, weil Özkan bei ihrer Vereidigung die Gottesformel gesprochen hatte. Ihr Gottesbild wäre “unspezifisch”, denn “theologisch gesehen” wären Allah und der bärtige Typ aus der Bibel nicht dasselbe. Özkan hatte es gewagt, sich auf den “einzigen Gott, der den drei monotheistischen Religionen, dem Judentum, dem Christentum und dem Islam gemeinsam ist” zu berufen. Gut, dass Nathan der Weise das nicht mehr erleben musste.

Hans-Jürgen Irmer, Mitglied der CDU-Landtagsfraktion in Hessen, hat vor lauter Aufregung um die erste Muslima im Ministerrang sogar vergessen seine Medikamente zu nehmen und ordnete Özkans Wahl  in den größeren Kontext der muslimischen Weltverschwörung ein:

Özkans ablehnende Äußerungen zu Kruzifixen in staatlichen Schulen beweise, dass sie mit “ihrer Denke” nicht in der Lage sei, “deutsche Interessen zu vertreten”, berichtete der Berliner Tagesspiegel. Der hessische CDU-Politiker warnte zudem vor einer Islamisierung Deutschlands. Menschen aus Polen und anderen christlich geprägten Ländern seien mit ihrer Heimat verwurzelt und blieben nur vorübergehend. Wenn Muslime nach Deutschland kämen, sei das eine “gefühlte Landnahme”, so Irmer laut Tagesspiegel: “Der Islam ist auf die Eroberung der Weltherrschaft fixiert. Wir brauchen nicht mehr Muslime, sondern weniger.”

Das ist wirklich ein origineller Beitrag zum  facettenreichen Themenkomplex “Integrationspolitik”. Polen sind demnach bessere Einwanderer als Türken, weil erstere zum Glück bald wieder abhauen. Vielleicht sollte Özkan als erste Amtshandlung eine Fortbildungsveranstaltung für ihre eigenen Parteifreunde zu den Grundlagen des Integrationsgedankens anbieten, es scheint fast als gäbe es da noch Defizite.

Während Irmer in Özkan eine Art “Anatolian Candidate” sieht, deren “Denke” von sinistren muslimischen Verschwörern ferngesteuert wird, verlegte der Kölner Kardinal Meißner gleich den gesamten Wirkungsbereich der frisch gebackenen Landesministerin ins Ausland, genauer gesagt in die Türkei. Dort könne sich Özkan doch für die Gleichberechtigung der Christen einsetzen, zum Beispiel in Tarsus, wo die Gemeinde  ihre Gottesdienste in der St. Paulus Kirche vorher anmelden müsse. Warum und wie eine gebürtige Hamburgerin mit deutscher Staatsbürgerschaft und niedersächsischem Ministeramt in einem türkischen Provinzkaff Religionskonflikte lösen soll erläuterte Meißner leider nicht.

Meißner, Irmer, Goppel und Co. sollten sich eines hinter die Ohren schreiben: Wer lauthals “Integration” von den Muslimen in Deutschland fordert, der sollte nicht erschrocken aufheulen, wenn ihm dann eine integrierte Vertreterin dieser Religionsgemeinschaft begegnet. Özkan scheint auf jeden Fall im aufgeklärten Abendland angekommen zu sein, während einige muselmanische Konservative so schnell kein Visum für diese Gefilde bekommen werden.

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