Die CDU offenbart ihre Spießigkeit. Durch die Partei schwappt eine Empörungswelle, weil ihr Parteimitglied Aygül Özkan die Auffassung des Bundesverfassungsgerichts vertritt: Das hatte vor einigen Jahren festgestellt, dass Kruzifixe im Klassenzimmer nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sind. Özkan hatte sich in einem Interview dieser Auffassung angeschlossen und bekam dafür von ihrem neuen Dienstherrn gleich einen auf die Mütze. Christian Wulff hatte die CDU-Abgeordnete in der Hamburger Bürgerschaft zur Sozialministerin berufen. Das Signal, dass Emigranten in der Partei auch eine Chance haben, verkehrte sich in´s Gegenteil: Die Frau ist nur ein Feigenblatt.

Dabei sind in der Republik fundamentalistische Christen in der Minderheit. Der pawlowsche Reflex der Partei offenbart die Realitätsferne und die mangelnde Volksnähe der schrumpfenden Volkspartei. Zu einer Zeit, in der selbst in Bayern die Kirchenaustritte überhand nehmen und insbesondere die katholische Kirche aufgrund einer jahrzehntelangen Doppelmoral in einer tiefen Glaubwürdigkeitskrise steckt, ist das Eintreten für das Kruzifix im öffentlichen Raum nicht einmal mehr Folklore mit Lokalkolorit. Ein Wahlkampfschlager schon gar nicht.

Frauen wie die türkische Emigrantin, die eine Bilderbuchkarriere hingelegt hat, braucht nicht nur die CDU. Menschen, die als öffentliche Person ihren Glauben leben und trotzdem ein toleranter Teil unserer Gesellschaft sind, müssen wir zugestehen, dass sie ihre Sicht der Dinge auch offen kommunizieren.

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