Über Tote nur gutes. Aber Helmut Schmidt lebt ja noch. Er fährt mit dem Rollstuhl durch die Fernsehstudios, inszeniert seine scheinbare Bescheidenheit und verteilt seine vermeintlichen Weisheiten segensreich. Jetzt hat er festgestellt, dass man Israel auch kritisieren dürfe und tut das auch. Aber nicht alles was man darf, ist deshalb auch richtig. Und das gilt für die restlichen Aussagen des elder Statesman genauso. Der Mann ist nicht mehr auf der Höhe der Zeit und hat ein Weltbild, das aus dem 19. Jahrhundert stammt.

Für Leute wie Schmidt und die verstorbene Zeit-Herausgeberin Marion Gräfin Dönhoff war die Sozialdemokratie die Fortsetzung ihrer protestantisch-preußischen Gesinnungsethik mit anderen Mitteln. Der Mann mit lebenslangen Dienstwagen und Personenschutz versucht, die Welt des 21. Jahrhunderts mit dem im 20. erworbenen und erfahrenen Wissen zu verstehen.

So fällt der Weltökonom  gerne in den Chor derjenigen ein, die die Gier der Spekulanten und die Gewissenslosigkeit der Bänker für die Finanzkrise verantwortlich machen und nicht die Politiker, die die Panik herbeigeredet haben und die Zentralbanken, die schon wieder die nächste Spekulationsblase aufpumpen. Aber Schmidts ökonomische Erkenntnisse waren ohnehin nie so gut wie sein Ruf. In den Siebzigern bemerkte er, 5% Inflation seien ihm lieber als 5% Arbeitslosigkeit. Sein Populär-Keynesianismus sorgte dafür, dass die Inflation zwar bei 5 % verharrte. Die Arbeitlosenquote erreichte aber schon unter seiner Kanzlerschaft 10%. Am Ende seiner Regierung war der Sozialstaat schon am Ende und der Haushalt überschuldet.

Durch die Unterstellung, Schmidts Kritiker würden ihn ja des “Antisemititen” geißeln, wenn sie ihn kritisieren, will sich der Altkanzler dieser Kritik entziehen und seiner Feststellung moralischen Nachdruck verleihen.

Setzt man sich objektiv mit seinen Aussagen auseinander, so entlarvt sie sich schnell als haltlos. Die Siedlungspolitik, die Mauer und die Blockade des Gaza-Streifen seien schuld daran, dass die armen Palästinenser nicht in Frieden leben könnten. Der Mann hat ein kurzes Gedächtnis.

1977 gab es noch keine Mauer und der Gaza-Streifen war ebenfalls besetzt, ein florierender Landstrich, mit viel Landwirtschaft, der den Israelis ordentliche Einkommen bescherte. Palästinensische Terroristen entführten damals eine Lufthansa-Maschine und ermordeten deren Kapitän, bis die GSG-9 dem Spuk in Mogadischu ein Ende machte.

Seit 1995 werden die ehemaligen Terroristen mit Geld überschüttet. Die palästinensische “Autonomiebehörde”, ein Selbstbedienungsladen für Fatah-Funktionäre, hat es seither nicht geschafft, ein Gewaltmonopol aufzubauen und terroristische Angriffe auf Israel zu unterbinden. Trotzdem haben die Israelis 2006 den Gazastreifen geräumt und alle Siedlungen dort verlassen. Hätten Schmidt und Stern recht, so müsste sich dort seither das blühende Leben entwickelt haben. Stattdessen ergriffen dort anstelle der korrupten FATAH-Kriminellen die Überzeugungstäter von der Hamas die Macht und begannen, von dort aus Israel mit Raketen zu beschießen, Bombenwerkstätten einzurichten und Israelische Soldaten zu entführen. Die Blockade ist nicht die Ursache sondern die Folge dieses Verhaltens.

Nicht die Israelis sprechen den Palis das Existenzrecht ab sondern umgekehrt. Das sollte selbst der Kanzler ausser Diensten mitbekommen haben.

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