Die taz ist begeistert: In einem “neuen” Buch vertreten die britischen Wissenschaftler Kate Pickett und Richard Wilkinson die These, dass es Menschen in “gleicheren Gesellschaften” besser geht und das in allen Bereichen. “Lebenserwartung, Säuglingssterblichkeit, Mord, Selbstmord, Teenager-Schwangerschaften, Fettleibigkeit, psychische Erkrankungen, Sucht, Bildung, soziale Mobilität” werden verhindert, verbessert, verringert oder vergrößert, wenn eine Gesellschaft nur gerecht also gleich genug ist. Kate Pickett scheint sogar davon überzeugt zu sein, dass in “gleicheren” Gesellschaften der IQ der Menschen höher ist.
In dem taz-Artikel wird geschickt verschwiegen, welche Länder dieser Welt denn nun besonders gleich sind, es wird lediglich erwähnt, dass die grundsätzlich sozialdemokratischer ausgerichteten skandinavischen Länder vor und die USA nach Deutschland rangieren. Ein kurzer Blick auf die Publikationsliste von Wilkinson gibt aber Auskunft über jenes kleine Detail, das die taz ihren Lesern vorenthalten wollte: Der angebliche Forscher hält Kuba für ganz außergewöhnlich gleich.
Hier sind also zwei Sozialisten am Werk. Sie nennen den Sozialismus ganz einfach “Gleichheit” und “Gerechtigkeit” und propagieren seine grandiosen Auswirkungen auf das Leben der Menschen. So gut wie alles wird durch dieses politische Wundermittel geheilt. Kein Land der Welt darf darauf verzichten – natürlich aus Gründen der Humanität. Ihr Abschluss-Plädoyer für den großen Linksruck formuliert taz-Autorin Waltraud Schwab so:
Die Wissenschaftler haben ausschließlich mit offiziellen Statistiken gearbeitet. Auch deshalb gelten ihre Ergebnisse unter Ökonomen und Wissenschaftlern als nicht widerlegbar. Die Ergebnisse haben eine große politische Dimension. Forscherin Kate Pickett leitet daraus ab: Macht die Gesellschaften gerechter. Das ist kostengünstiger und macht die Menschen glücklicher.
Nicht widerlegbar? Außer vielleicht durch jeden existierenden oder nicht mehr existierenden sozialistischen Staat. Wilkinson könnte zum Beispiel damit anfangen, sich näher mit den Kubanern zu beschäftigen, die unter Lebensgefahr aus ihrem Paradies der Gleichheit flüchten. Aber das liegt bestimmt daran, dass sie noch kein Buch von Kate Pickett und Richard Wilkinson gelesen haben, sonst wüssten sie, was es für ein fantastischer Glücksfall ist, in der Karibik-Tyrannei zu leben.






10 comments
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13. March 2010 at 21:34
Eloman
Fehlt bloß noch Nordkorea, das Paradies aller Werktätigen. Da gibts bestimmt auch ganz tolle offizielle Statistiken.
14. March 2010 at 15:38
Jörg Zeipelt
Jede Forschung kann irgendwie kritisiert werden. Aber um mal auf dein Beispiel Kuba einzugehen: Klar, es handelt sich um eine Diktatur, aber zumindest was Lebenserwartung und generell Gesundheitssystem angeht, sind die meines Wissens ganz oben in der Welt dabei. So ganz grundsätzlich würde ich die Ergebnisse deshalb nicht infrage stellen.
Meine Interpretation ist eher: Wir sollten nicht zum Sozialismus sondern zum Grundeinkommen hinarbeiten. Dabei geht es nicht um eine Aufhebung der Einkommensunterschiede sondern nur um eine mäßige Umverteilung. Mit Grundeinkommen darfst du immer noch ganz reich werden, nur ganz arm soll eben nicht mehr sein.
14. March 2010 at 16:47
Sesalm
Interessant. Skandinavien bleibt das Menetekel der Liberalen, die zur Realität geronnene Widerlegung all ihrer Thesen.
14. March 2010 at 19:04
Eloman
Tja, und Nordkorea das Menetekel der Sozialisten, oder?? Außerdem schreiben die beiden “Skandinavien” und meinen Schweden, die zivilisierte Variante von Addis Volksgemeinschaft.
16. March 2010 at 22:38
Sesalm
Wow. Schweden mit dem Nationalsozialismus gleichzusetzen. Dummheit breitet sich aus….
15. March 2010 at 12:46
Michael
Ich habe das Interview in der taz gelesen, das mich sehr neugierig auf das Buch gemacht hat. Das im Interview Gesagte macht auf den ersten Blick einen sehr überzeugenden Eindruck – und das trotz deines Beispiels Kuba.
Richard Wilkinson als angeblichen Forscher zu bezeichnen halte ich für abwertend. Ob er ein Sozialist ist, weiß ich nicht, aber es hat für mich nicht den Geschmack eines Schimpfwortes, wie es offenbar bei dir zu sein scheint. Quäker ist er wohl – und das ist eine Gruppe, die ich sehr schätze (Friedensnobelpreis 1946).
In diesem Sinne: Für Gleichmacherei!
15. March 2010 at 18:18
christianhannover
in seinem buch “unhealthy societies” fordert wilkinson den demokratischen sozialismus.
“Ob er ein Sozialist ist, weiß ich nicht”
maximale gehälter einführen, alle gleich reich machen, kuba bewundern – ja, wie kann man da nur drauf kommen…
eigentlich solltest das besser wissen: wenn du für gleichmacherei bist, bist du doch auch einer. es ist das große einigende band zwischen marxistischen und nationalen sozialisten.
16. March 2010 at 09:10
Michael
Freie Demokraten und Nationalsozialisten haben auch einiges gemeinsam, z.B. die Spenderfamilien: August Baron von Finck jun. spendet der FDP 2009 über 1 Mil. und bekam dafür seine 7% MwSt. für Hotelübernachtungen. Der Vater, August Baron von Finck sen., spendet 1931 der NSDAP 5 Mil. und durfte dafür einige Jahre später das Bankhaus Dreyfus arisieren.
Wer stimmte 1950 im Bundestag gegen die Entnazifizierung? Natürlich die FDP. Warum wohl?
16. March 2010 at 12:23
christianhannover
sippenhaft ist ein weiteres instrument, das von sozialisten gerne verwendet wurde. schreibe wilkinson bitte einen brief und schlag ihm das für sein nächstes buch vor.
für weitere diskussionen über die verwandschaft von liberalismus und nationalsozialismus wende dich an “sesalm”, der lebt in der gleichen rot-grünen vorstellungswelt. und jetzt zurück zum thema…
16. March 2010 at 09:29
Donauwelle
Das ist eben wissenschaftliches Denken, das stellt nur fest dass Gleichheit vor dem Markt meßbare Vorteile bringt, hält sich aber bedeckt dazu wie eine solche sinnvoll hergestellt werden kann. Das ist jedoch nur dem ersten Anschein nach paradox, denn auch Gleichheit vor dem Gesetz muss erst positiv definiert werden, etwa durch die Unschuldsvermutung und deren Absicherung durch Freiheitsrechte, damit in der Umsetzung nicht ein Orwellscher Etikettenschwindel dabei herauskommt mit gleicher Repression gegen alle. Dennoch sind die Vorteile meßbar. Wieso sollte es sich mit der Gleichheit vor dem Markt anders verhalten?
Man kann diese wissenschaftliche Geisteshaltung als denkfaul abtun, aber dann trifft das auch auf den Einwand zu dass die Gegenbeispiele sich eher dadurch auszeichnen dass es dort kaum einen Markt gibt und daher die Frage der Gleichheit bzw. Ungleichheit demgegenüber einen geringeren Stellenwert hat. Vielleicht ist es aber auch einfach nur so dass die positive Definition der Gleichheit vor dem Markt nicht Aufgabe der Wissenschaft ist sondern der Politik.