Die Berliner Treberhilfe bringt Segen: Genaugenommen handelt es sich bei der gemeinnützigen GmbH um eine Immobilienentwicklungsgesellschaft, die im Staatsauftrag gleich auch noch den Betrieb der entwickelten Häuser übernimmt. Sie kauft Grundstücke und Gebäude, die dringend sanierungsbedürftig sind – vermutlich auch in schlechten Lagen – organisiert die Sanierung und vermietet den gewonnenen Wohnraum an benachteiligte Jugendliche oder Obdachlose. Die Miete ist sicher, denn die zahlt der Berliner Senat. Und der vergütet dann auch noch das erforderliche Personal für “betrreutes Wohnen” und andere sinnvolle Einrichtungen. Am Ende stehen nur Gewinner. Nach Berechnungen der Treberhilfe entsteht ein “Social Profit” von 15% für das Land Berlin. Bei 12 Mio. € Umsatz macht die gemeinnützige GmbH einen satten Gewinn von einer Million nach Abzug der Unterhaltskosten für den Maserati des Geschäftsführers. Und die Bedürftigen haben ein Dach über dem Kopf. Dass karikative Einrichtungen einen Gewinn machen, ist offensichtlich nicht ungewöhnlich. Das sei nötig, damit man nicht auf Kosten sitzen bleibe, falls der Staat mal nicht großzügig überweise. In der sozialen Marktwirtschaft nennt man das übrigens das unternehmerische Risiko.

Der in die Schlagzeilen geratene Treberhilfe-Geschäftsführer Ehlert war kreativ und innovativ:

Ein Beispiel: Polizei und Jugendämter ärgern sich mit straffälligen Kindern herum, nennen sie „Schwellentäter“ – und schon bietet die Treberhilfe Berlin eine „soziale Task Force für offensive Pädagogik“, die den Ämtern und den Eltern hilft, Kinder mit krimineller Energie wieder einzufangen.

Das Konzept des Social Profit garantiert dabei das gute Gewissen: Jeder Steuer-Euro, der an die Treberhilfe floß, hat in zukünftigen Jahren Sozialtransfers in Höhe von 1,15 € erspart. Das macht den Sozialstaat doch profitabel. Je mehr wir heute “investieren”, desto mehr sparen wir in Zukunft.

Hilfreich ist dabei, dass die Struktur, welche der profitablen Organisationen wieviel Geld von welchem Senat bekommt, für Außenstehende intransparent ist: Über die Verteilung entscheiden diejenigen, die sie bekommen: Die “freien Wohlfahrtsverbände” sind vom Berliner Senat damit beauftragt. Andernorts nennt man das Selbstbedienung.

Verschleiert wird der Gewinnerzielungsanspruch hinter der Gemeinnützigkeit, die gegenüber professionellen Unternehmen einen ordentlichen wirtschaftlichen Vorteil verspricht: Im Fernsehen kann man im Namen der Bedürftigen auftreten und so die Chance auf weitere Zuwendungen erhöhen, professionelle Drückerkolonnen ziehen mit Spendenbescheinigungen von Tür zu Tür und knöpfen dem guten Bürger im Glauben an den gemeinen Nutzen nicht nur Taschengeld ab.  Ehrenamtlich Beschäftigte werden genauso ausgenutzt wie Angestellte, die im Glauben an die gute Sache mit einem kleinen Salär Vorlieb nehmen.  Das Finanzamt verzichtet gerne auf Gewinnsteuern, solange die angefallenen Gewinne reinvestiert werden.

Investitionen sind aber nur dann wirtschaftlich sinnvoll, wenn das Unternehmen wächst. Und so sind die Wohlfahrtsverbände auf zunehmendes Elend in der Gesellschaft angewiesen. Nur dann können sie neue Zielgruppen generieren, neue Leistungen und Einrichtungen erfinden, die dann wieder dauerhaft durch “Sozialtransfers” finanziert werden. Das zieht neue Gewinne, neue Investitionen, neue Zielgruppen, neue Leistungen und neue Sozialtransfers nach sich.

Dieser Markt braucht Transparenz. Wer Gewinne macht, sollte seine Gemeinnützigkeit verlieren und Steuern zahlen. Die Vergabe sozialer Dienstleistungen muß schon heute  nach dem europäischen Vergaberecht zwingend  ausgeschrieben werden, weil die Schwellenwerte von 400.000 € überschritten sind und die Auftragnehmer nicht im staatlichen Eigentum stehen und von diesem unternehmerisch beherrscht werden. Investitionen, die mit Sozialtransfers finanziert werden, verbleiben im Eigentum des Staates oder eines beauftragten kommerziellen Unternehmens, das ebenfalls durch Ausschreibung ermittelt wird. Wettbewerb entsteht, Transparenz wird wirksam. Das wirtschaftlichste – nicht das billigste – Angebot gewinnt. Dann darf der Geschäftsführer auch gerne Maserati fahren.

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