Mit dem Antritt der Bürgerlichen Koalition treten bei den Links-”Intellektuellen” die alten Schemen und Scheuklappen auf. Weil Franz-Josef Strauß schon tot ist, muß Guido Westerwelle für den Dämon herhalten. Schließlich hat dessen geistiges Vorbild Hans-Dietrich Genscher das sozialliberale Zeitalter wendig beendet.
Unbeschadet vom Theaterdonner arbeitet sich die neue Regierung schließlich reibungslos ein. Die Journaille, die sich wohl mit der Vermutung über das Wahlergebnis gerettet hatte, auch die Bürgerlichen würden es wie einst Vize-Kanzler Müntefering halten und die Erwartung des Einhaltens des vor der Wahl verkündeten Programms für unfair halten, erwachte schnell aus der Schockstarre linker Gemütlichkeit.
Seither darf sich Guido Westerwelle über verschärfte Aufmerksamkeit freuen. Seine korrekte Reaktion in in einer Pressekonferenz nicht englisch zu sprechen, mag nicht souverän gewesen sein. Bei einem seiner Vorgänger, dem Taxifahrer Fischer, hat das komischerweise keiner gefragt. Der mußte nicht einmal demonstrieren, wie man Steine auf Polizisten schmeißt.
Die “Krise” der FDP in den ”Umfragewerten” ist eine self fullfilling Prophecy. Wer traut sich denn noch einer Sympathiekundgebung, wo doch jeden Tag in der Zeitung von den Hazardeuren Westerwelle und Rösler zu lesen steht, die nur das einfordern, weswegen sie gewählt wurden.
Die Speerspitze der Kampaagne wird von Süddeutscher und SPON getragen, wo sich fast stündlich ein Leitartikler am FDP-Vorsitzenden abarbeitet. Die Bewertung seiner Einordnung des Verfassungsgerichtsurteils zu Hartz IV belegt, dass die einzige Qualität der Edelfedern in ihrem gnadenlosen Gesinnungsjournalismus liegt. Was nicht in´s Weltbild passt, wird ignoriert.
Westerwelle hatte sich lediglich auf das Lohnabstandsgebot berufen. In Deutschland ein ehernes Sozialstaatsprinzip, das allerdings immer weniger wirkt: Wer arbeitet, soll mehr Geld zur Verfügung haben, als der der das nicht tut. Und er hatte darauf hingewiesen, dass es gerade diejenigen mit einem geringen Einkommen sind, die mit 40% davon zur Finanzierung desselben beitragen und obendrein auch noch Steuern zahlen. Dass es der Steuer- und Abgabenzahler ist, der den Staat finanziert, weil der das nicht von selbst tut. In den Siebziger, Achtziger und Neunziger Jahren war das eigentlich noch herrschende Meinung bei der SPD.
Die Hartz-Gesetze sind gemeinsame Großtat aller Parteien. Damals hatte keiner die Mehrheit in Bundestag und Bundesrat Sie sind ein Produkt des Vermittlungsausschußes, wo Gerhard Schröder mit Cohiba und Rotweinflasche hinter´m Stuhl den Beistand der Union gegen die eigenen Genossen bitter brauchte. Was dabei herauskam, war Murx, da hat Westerwelle recht, auch wenn er selbst mit am Tisch saß. Trotzdem war es ein richtiger Schritt. Gut gemeint ist eben nicht gut gemacht.
Der Wahlverlierer bei der NRW-Wahl steht schon heute fest: Jürgen Rütters, der bekannteste Sozialdemokrat NRWs, wird nicht noch einmal 45% holen. Er wird nur erfolgreich weiterregieren, wenn die FDP zweistellig wird und einen Teil seiner Verluste ausgleicht. Sonst droht eine Große Koalition oder gar Rot-Grün. Die SED/PDS/LINKE wird die 5%-Hürde nicht schaffen und so der SPD zu ordentlichen Zugewinnen verhelfen.
Diese Wahl wird ein empirischer Test: Schafft es der deutsche Medienstream immer noch wie bei weiland Franz-Josef Strauß, einen Mann und seine Partei politisch zu verhindern oder wenigstens seine Macht zu beschneiden, den die Gesinnungsjournaille und die Sozialstaatsmafia nicht wollen






8 comments
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14. February 2010 at 22:10
Tigerentenzersäger
Wer traut sich denn noch einer Sympathiekundgebung, wo doch … inzwischen sogar rausgekommen ist, daß der Guido eigentlich ein Nazi ist?
Im Ernst: wer so daherredet, der träumt auch nachts vom Gulag. Man bekommt langsam Angst.
14. February 2010 at 22:44
christianhannover
Frau Kraft weiß nicht, dass Nationalsozialisten eben auch Sozialisten sind. Die Sozialpolitik der NPD ähnelt dem der SPD sehr viel mehr, als dem der FPD.
14. February 2010 at 23:02
Sesalm
Bloß dass Anno Dazumal die Liberalen bereits komplett beim NS-Verein vertreten waren, als die SPD noch tapfer Widerstand bekundete.
14. February 2010 at 23:04
Sesalm
Die FDP ist reichlich dämlich. Bisher hat sie noch nichts durchgesetzt außer das dümmliche Wachstumsbeschleunigungsgesetz. Mehr als große Ankündigungen kommen da nicht. Genscher war einst ein schlauer Fuchs. Der musste nicht das große Wort schwingen, sondern arbeitete effizient im Hintergrund. Guido wird in Schönheit sterben und NRW schwarz-grün werden.
15. February 2010 at 00:12
christianhannover
ok, ich weiß wer sesalm ist….
15. February 2010 at 19:35
lalibertine
@Christian: Ich auch
15. February 2010 at 11:07
euckenserbe
Pauschale Vergleiche ziehen nicht. Walter Eucken war übrigens mit einer Jüdin verheiratet, hielt sich als VWL-Prof an Heideggers Freiburger Uni und veröffentlichte (!) “Die Grundlagen der Nationalökonomie”, die intellektuelle Grundlage des Ordoliberalismus. Nur um mal ein Beispiel zu nennen.
Das Beispiel mit Genscher zieht auch nicht. Der machte sich einen schlanken Fuß und liess Otto Graf Lambsdorff die Drecksarbeit machen. Siehe das Wendepapier.
CH – Ich glaube , ich weiss wen Du meinst…
15. February 2010 at 15:08
Donauwelle
Diese verbitterte Untertanenmentalität kommt davon, dass das Steuersystem das zu weit entfernt von der Quelle der Wertschöpfung ansetzt. Das Lohnabstandsgebot wird nicht durch das Anspruchsdenken gefährdet sondern durch die Bedürftigkeitsprüfung. Wer dafür trommelt § 249 StGB (DDR) wieder einzuführen sollte nicht anderen Sozialismus vorwerfen.